Selbstwirksamkeitserwartung


Die elterliche Selbstwirksamkeitserwartung ist der entscheidende Prädiktor für die Stabilität eines neurodiversen Familiensystems. Sie konstituiert sich nicht durch die Abwesenheit von Herausforderungen, sondern durch die tief verwurzelte Überzeugung, als Elternteil über die regulatorischen Werkzeuge zu verfügen, um auf die Zustände des kindlichen Nervensystems kompetent antworten zu können.
Geschwister Autistisch/Neurotypisch
Es ist eine immense emotionale Belastung, die Bedürfnisse eines autistischen Kindes mit denen neurotypischer Geschwister zu synchronisieren. Oft entsteht das Gefühl, dem einen Kind „zu viel“ und dem anderen „zu wenig“ zu sein. Dieser Zustand der permanenten inneren Zerrissenheit führt häufig in eine sympathische Übererregung oder – bei langanhaltender Belastung – in einen dorsalen Rückzug der Eltern. Die Sorge um das „zu kurz kommende“ Geschwisterkind ist ein Ausdruck Ihrer tiefen Empathie und der Sehnsucht nach familiärer Kohärenz.
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Selbstwirksamkeit als biologischer Zustand: Wenn Erschöpfung (Fatigue) dominiert, sinkt die Selbstwirksamkeit drastisch, da das Gehirn keinen Zugriff mehr auf kreative Problemlösungsstrategien hat. Selbstwirksamkeit wächst durch „Meisterungserfahrung“ – also das Erleben von kleinen, erfolgreichen Regulationsmomenten.
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Die Neurozeption(unbewußtes Wahrnehmen) des Geschwisterkindes: Nicht-autistische Geschwister entwickeln oft eine hochsensible Neurozeption für die Spannungszustände im Haus. Sie reagieren entweder mit „Überanpassung“ (sie werden unsichtbar, um das System nicht weiter zu belasten) oder mit externalisierendem Verhalten, um Aufmerksamkeit (Sicherheitssignale) zu erzwingen.
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Das Fairness-Paradoxon: In neurotypischen Systemen wird oft „Gleichheit“ mit Gerechtigkeit verwechselt. Biologisch gesehen benötigen Kinder jedoch unterschiedliche Kalibrierungen, um in den ventralen Vagus zu gelangen. Fairness bedeutet hier: Jeder bekommt das, was sein spezifisches Nervensystem zur Regulation braucht.
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Die kleinste Stellschraube jetzt: Wählen Sie heute einen Moment, in dem Sie ein positives Verhalten – egal wie klein – bei einem Ihrer Kinder explizit benennen. Diese bewusste Wahrnehmung von Kompetenz lenkt den Fokus weg von der Krise hin zur Wirksamkeit.

