In der heutigen Neurowissenschaft wird Autismus nicht mehr als struktureller Defekt, sondern als eine atypische neuronale Architektur verstanden. Die Forschung konzentriert sich dabei vor allem auf die Konnektivität, das Volumen bestimmter Areale und die Dichte der Synapsen.
Autistische Gehirne weisen oft eine lokale Über-Konnektivität auf, insbesondere in sensorischen Arealen, während die Fern-Konnektivität zwischen weit entfernten Hirnregionen verringert ist.
Dies erklärt die exzellente Detailwahrnehmung bei gleichzeitiger Schwierigkeit, den „Gesamtkontext“ oder soziale Nuancen schnell zu erfassen. Informationen werden „lokal“ sehr intensiv verarbeitet, aber die Integration zu einem großen Ganzen ist langsamer. (Studie von Belmonte et al. (2004)
Tang et al. (Neuron, 2014) untersuchte die Dichte der Synapsen in postmortalen Gehirnen autistischer Kinder und Jugendlicher.
Normalerweise findet während der Entwicklung ein Prozess statt, den man „Pruning“ (Stutzen) nennt – überflüssige Nervenverbindungen werden abgebaut. Bei autistischen Probanden war dieser Abbau signifikant reduziert.
Das heißt das autistische Gehirn bleibt „sensitiv komplexer“. Da zu viele Verbindungen aktiv bleiben, fällt es dem Kind schwer, wichtige von unwichtigen Reizen zu trennen. Dies ist die biologische Basis für die sensorische Überreizung, die Ich im Neuro Struktur Coaching durch Struktur abzufedern versuche.
Mehrere Studien zeigten auch signifikante Volumensabweichungen in der Amygdala, dem Zentrum für die emotionale Bewertung von Bedrohung.
Das weißt darauf hin, dass autistische Kleinkinder oft eine vergrößerte Amygdala(=viel Emotionsarbeit) haben. Im Erwachsenenalter kann sich dies angleichen oder kehrt sich sogar um.
Dies bestätigt die Hyper-Daueraufmerksamkeit. Das Gehirn scannt die Umgebung permanent nach potenziellen Gefahren ab (Neurozeption von Gefahr). Was für Neurotypische neutral wirkt, löst im autistischen System oft Alarm aus.
(Studien von Schumann und Amaral (2006))


